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Lisa Schroeter

unregistriert

1

Sonntag, 10. Juni 2007, 14:49

defekter Hauskanal

Wir haben einen defekten Hauskanal zur öffentlichen Kanalisation. Dieser Kanal ist aus dem Jahre 1956 - damals wurden Tonrohre im Verfahren "Muffe an Muffe" verlegt. Mittlerweile gibt es an diesen Stellen diverse Wurzeleinwüchse einer riesigen Birke sowie in unterschiedlicher Tiefe zwei Rohrversätze. Dadurch kann unser Abwasser aus unserem Haushalt nicht richtig abfließen und immer wieder kommt es dadurch zu Verstopfungen des Revisionsschachtes. Diese Thematik ist unserem Vermieter seit mindestens 2 Jahren bekannt, da der Kanal seinerzeit mit einer Kamera abgefahren wurde. Aber unser Vermieter ändert nichts an dieser Situation. Jedes mal wenn wieder eine Verstopfung zustande gekommen ist, ruft der Vermieter eine Firma und läßt den Kanal mit der "Spirale" wieder freimachen. Das kann es aber nicht sein! Durch den undichten Kanal versickert ja das ungeklärte Wasser im Erdreich. Nun meine eigentliche Frage: Wohin kann ich mich wenden um diesen Zustand zu melden damit von öffentlicher Seite vielleicht "Druck" auf den Vermieter ausgeübt wird?"
Über eine Antwort würde ich mich freuen. Im voraus schon mal recht herzlichen Dank !

SvenG

unregistriert

2

Montag, 11. Juni 2007, 13:53

Re: defekter Hauskanal

Hallo
Gib das ganze an den für Euch zuständigen Zweckverband oder die Kommune weiter. Die sind eigentlich in der Pflicht auf solche Anzeigen zu reagieren und haben zudem die Möglichkeiten entsprechende Sanktionen zu verhängen. Im Übrigen ist Gewässerverunreinigung (also auch Abwasser ins Grundwasser) eine Straftat nach Strafgesetzbuch.

§ 324 Gewässerverunreinigung
(1) Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

(3) Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.


In diesem Sinne.
MfG Sven

Kegebein

unregistriert

3

Mittwoch, 13. Juni 2007, 02:27

Re: defekter Hauskanal

Bei Wurzeleinwüchsen und Versatz im Rohr hilft wohl nur noch aufbuddeln und erneuern. Das ist teuer.
Das mit der Grundwasserverschmutzung ist nicht so dramatisch. ZUm einen liegt der Grundwasserspiegel häufig höher, sodass das Grundwasser in den Kanal eindringt (Technischer Begriff "Fremdwasser"; In neu verlegten Kanälen macht das häufig immer noch 50% der Abwassermenge aus, die zur KLäranlage fließt; in älteren Kanälen kann dieser Anteil den Schmutzwasseranteil sogar überschreiten, in Extremfällen bis zum Faktor 10)
Falls der Grundwasserspiegel tiefer liegt, sickert zunächst Abwasser heraus, in der Bodenmatrix wird dann ein starkes Bakterienwachstum verursacht, das die Bodenmatrix an der Leckstelle verklebt, der sogenannte "Selbstdichtungseffekt")


>Hallo
>Gib das ganze an den für Euch zuständigen Zweckverband oder die Kommune weiter. Die sind eigentlich in der Pflicht auf solche Anzeigen zu reagieren und haben zudem die Möglichkeiten entsprechende Sanktionen zu verhängen. Im Übrigen ist Gewässerverunreinigung (also auch Abwasser ins Grundwasser) eine Straftat nach Strafgesetzbuch.
>§ 324 Gewässerverunreinigung
>(1) Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
>(2) Der Versuch ist strafbar.
>(3) Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.
>
>In diesem Sinne.
>MfG Sven

SvenG

unregistriert

4

Mittwoch, 13. Juni 2007, 10:57

Re: defekter Hauskanal

>Bei Wurzeleinwüchsen und Versatz im Rohr hilft wohl nur noch aufbuddeln und erneuern. Das ist teuer.
>Das mit der Grundwasserverschmutzung ist nicht so dramatisch. ZUm einen liegt der Grundwasserspiegel häufig höher, sodass das Grundwasser in den Kanal eindringt (Technischer Begriff "Fremdwasser"; In neu verlegten Kanälen macht das häufig immer noch 50% der Abwassermenge aus, die zur KLäranlage fließt; in älteren Kanälen kann dieser Anteil den Schmutzwasseranteil sogar überschreiten, in Extremfällen bis zum Faktor 10)
>Falls der Grundwasserspiegel tiefer liegt, sickert zunächst Abwasser heraus, in der Bodenmatrix wird dann ein starkes Bakterienwachstum verursacht, das die Bodenmatrix an der Leckstelle verklebt, der sogenannte "Selbstdichtungseffekt")
>

Na Du bist mutig.
Abwasser, was ohne Vorbehandlung in das Erdreich versickert stellt in jedem Fall einen Zustand dar, welcher nicht zu dulden ist. Sei es nach den Wassergesetzen oder dem StGB. Von Selbstabdichtung und Grundwasserständen zu reden halte ich nicht für den richtigen Ansatz. Diese Schilderungen spielen ein Problem herab, welches ohne Zweifel existiert. Un noch etwas: Kommt es in der Grundleitung aus welchen Grund auch immer zum Rückstau gibt's ne prima "Umkehrdrainage" (tolles Wort). Ob dann Deine Selbstabdichtung noch was Wert ist ....
Und wenn bei Euch in neugebauten Kanälen 50% Fremdwasser durch Undichtigkeiten entstehen macht Ihr irgendetwas falsch.

MfG Sven

Möller

unregistriert

5

Mittwoch, 13. Juni 2007, 11:33

Re: defekter Hauskanal

Hallo Sven,
leider ist die Wirklichkeit so, dass die Entwässerungsleitungen durch die gewählte bilige Bauweise (Verlegung in Dreck) nach 20 bis 30 jahren fast vollständig undicht sind. Dies bedeutet, dass fast alle Verbidungen undicht sind, bilden sich Gegengefälle, Versprünge etc. Letzte Fall: 15 Schadenstellen auf 5 meter lange Leitung mit Abzweigen. Ich spreche für nicht öffentliche Kanäle. Aus diesem Grund empfehlen wir unseren Kunden nur Bauweise die auch nach mehreren Jahrzehnten dicht ist und nicht saniert werden muss. Die Qualität der Rohre ist da nicht entscheident. Dazu kommt, dass bei der Planung oft die maximale zulässige Setzung oder Grundwasser nicht berücksichtigt wird (Baufugen, Fundamente). Somit kommt bei den Setzungen zur Beschädigung der Grundleitungen. Nach meinen Erfahrungen muss ich den Statiker und Architekt immer wieder darauf hinweisen, dass bei der Verlegung der Grundleitungen bestimmte Grundsätze eingehalten werden müssen. Oft bekomme ich gesagt, so was habe ich noch nicht gehört. Die Praxis ist leider so! Dies betrifft alle große Firmen und Firmengelände. Die Kunden wissen sehr oft, dass Schaden vorhanden sind (Die Kamerebegehung ist nicht so teuer). Gehandelt wird aber nur dort wo Gefahr oder Schaden durch Rückstau eingetreten sind. Der Rest ist Schadenverwaltung.
mfg
Möller

SvenG

unregistriert

6

Mittwoch, 13. Juni 2007, 12:23

Re: defekter Hauskanal

Hallo Möller,

das die meisten alten Leitungen nicht mehr die Besten sind ist mir schon klar (was anderes hab ich auch nicht geschrieben), aber ich teile die Auffassung von Herrn Kegebein nicht, dass das alles nicht so schlimm ist u.s.w.
Ich denke Du wirst mir zustimmen wenn ich sage, dass solche Schäden mit Nachdruck behoben werden müssen.
MfG Sven

Möller

unregistriert

7

Mittwoch, 13. Juni 2007, 14:54

Re: defekter Hauskanal

Hallo Sven,
dem kann man nur zustimmen. Schutz vom Grundwasser ist eindeutig sehr wichtig. Abgesehen davon, sollte der Bauherr schon wegen der Stabilität und Schadenvorbeugung von Gebäuden und Wege daran interessiert sein, Beschädigungen an den Grundleitungen zu beheben. Nämlich das, was Herr Kegebein beschrieben hat, funktioniert nur bedingt und in Abhängigkeit vom Grund.
mfg
Möller

>Hallo Möller,
>das die meisten alten Leitungen nicht mehr die Besten sind ist mir schon klar (was anderes hab ich auch nicht geschrieben), aber ich teile die Auffassung von Herrn Kegebein nicht, dass das alles nicht so schlimm ist u.s.w.
>Ich denke Du wirst mir zustimmen wenn ich sage, dass solche Schäden mit Nachdruck behoben werden müssen.
>MfG Sven

Jörg Kegebein

unregistriert

8

Mittwoch, 13. Juni 2007, 22:17

Re: defekter Hauskanal

Hallo hallo,

Um Missverständnissen vorzubeugen: In dem beschriebenen Fall muss die Leitung natürlich saniert werden, eben weil kein Wasser mehr durchgeht.
Die Sache mit der Selbstdichtung funktioniert natürlich nur, wenn die Leiung über dem Grundwasserniveau ist und der anstehende Boden kein Grobsand oder Kies ist. Tatsächlich sind die Wassermengen, die aus undichten Kanälen ins ERdreich sickern relativ gering und es entwickelt sich eine ausgeprägte Selbstreinigung im unmittelbaren Umkreis der Leckage. Ich bin kein Gegener von Kanalsanierungen, aber angesichts des riesigen Investitionsbedarfs für unsere Kanäle sollte man die knappen Mittel prinzipiell dahin lenken, so am meisten bewirkt wird. Und dies kann auch heißen, dass man eine Leckage erst mal toleriert um die Mittel dort einzusetzen, wo der Effekt größer ist.
Abwägung von Aufwand und Nutzen!
Eine Leitung, wo nix mehr durchgeht ist ein Sanierungsfall! Wenn es jedoch nur darum geht, eine Leckage zu dichten, sollte man erst mal prüfen, ob nicht andere Investionen wichtiger und effektvoller sind.

Jörg



>Hallo Sven,
>dem kann man nur zustimmen. Schutz vom Grundwasser ist eindeutig sehr wichtig. Abgesehen davon, sollte der Bauherr schon wegen der Stabilität und Schadenvorbeugung von Gebäuden und Wege daran interessiert sein, Beschädigungen an den Grundleitungen zu beheben. Nämlich das, was Herr Kegebein beschrieben hat, funktioniert nur bedingt und in Abhängigkeit vom Grund.
>mfg
>Möller
>>Hallo Möller,
>>das die meisten alten Leitungen nicht mehr die Besten sind ist mir schon klar (was anderes hab ich auch nicht geschrieben), aber ich teile die Auffassung von Herrn Kegebein nicht, dass das alles nicht so schlimm ist u.s.w.
>>Ich denke Du wirst mir zustimmen wenn ich sage, dass solche Schäden mit Nachdruck behoben werden müssen.
>>MfG Sven

SvenG

unregistriert

9

Donnerstag, 14. Juni 2007, 17:30

Re: defekter Hauskanal

Hallo Jörg,
wenn ich Dich richtig verstehe lautet Deine Sinnformel: Ein bisschen Undicht macht doch nichts.
Teilt die bei Euch zuständige Wasserbehörde eigentlich diese Auffassung und noch viel interessanter ist die Frage, ab welcher Größenordung oder welchem Schadensbild Du einen undichten Kanal wechseln würdest?

MfG Sven

Jörg Kegebein

unregistriert

10

Donnerstag, 14. Juni 2007, 19:36

Re: defekter Hauskanal

Genau, meine Kollegen an der Uni hatten einmal einen Großversuchsstand: Ein Kanalrohr im Sandkasten. Das Rohr DN 100 hatte eine undichte Stelle, vielleicht 1 cm x 5 cm, also relativ groß! Unten am Sandkasten war eine Vorrichtung mit der das Leckagewasser nach der Passage durch etwa 1 m Sand aufgefangen wurde. Nach einiger Zeit ergaben sich ernsthafte Probleme, überhauft genung Wasser für die Analyse abzuzapfen, d.h. es kamen nur ein paar Liter/d an. Die Analysen zeigten darüber hinaus einen weitgehenden Abbau und eine heftige Biomasseaktivität im cm-Bereich um die Leckagestelle.
Ich weiß den Volumenstrom durch das Rohr nicht mehr, aber die Pumpe war verdammt groß (ich schätze mal > 100 m³/d).
Vielleich sollte man nicht argumentieren, das das nie repariert werden sollte, ich denke jedoch, dass ein solcher Sanierungsbedarf auf der Prioritätenliste relativ weit nach hinten gesetzt werden kann, weil es einfach wichtigeres zu tun gibt, was mehr Effekt hat.
Das Projekt hatte übrigens genau den Zweck, solche Abschätzungen treffen zu können; d.h. in Abhängigkeit von Boden, Hydraulik usw. ein Modell zu erstellen mit dem die Gefahr prognostiziert werden kann. Dass so wenig Wasser herauskommt, hat im übrigen alle überrascht.
Ob die Verhältnisse in dem vorliegenden Fall ähnlich liegen weiss ich natürlich nicht, nur sollte man den Fall nicht a priori ausschließen!
Im übrigen ist der Fall ja meistens andersrum gelagert, d.h. Fremdwasser kommt in den Kanal. Auch hier soll es Fälle gegeben haben, wo durch ambitionierte Dichtungsmaßnahmen der Grundwasserspiegel so weit angestiegen ist, das das Wasser bis in die Hauskeller gelangt. Das muss dann natürlich abgepumpt werden, rate mal wohin?

Gruss Jörg











>Hallo Jörg,
>wenn ich Dich richtig verstehe lautet Deine Sinnformel: Ein bisschen Undicht macht doch nichts.
>Teilt die bei Euch zuständige Wasserbehörde eigentlich diese Auffassung und noch viel interessanter ist die Frage, ab welcher Größenordung oder welchem Schadensbild Du einen undichten Kanal wechseln würdest?
>MfG Sven

Micky

unregistriert

11

Donnerstag, 14. Juni 2007, 19:47

Re: defekter Hauskanal

Hallo,

es gibt wohl in einigen Bundesländern schon die Nachweispflicht der Grundstückseigentümer, dass ihre Grundstücksentwässerungsanlagen dicht sind. Das heißt, dass dort sich die Kommunen Nachweise der Bürger vorlegen lassen müssen, über z. B. Kamerabefahrungen. Hier bei uns in Hessen ist diese Nachweispflicht auch in der Diskussion, aber noch nicht endgültig gesetzlich fixiert.

Bei Bestehen der Nachweispflicht nützt dann leider keine Diskussion darüber, ob der Schaden erheblich ist, oder überhaupt Abwasser austritt oder eine Sanierung wirtschaftlich sinnvoll und vordringlich ist. Dann muss der Bürger bei Undichtheit handeln und sein Handeln nachweisen.

Gruß
Micky

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